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Das schwache Geschlecht

von Anne-Kathrin Gerstlauer

Nein, das werden Männer nicht gerne hören. Frauen schießen mehr Tore, zumindest bei Fußball-Weltmeisterschaften. Das starke Geschlecht liegt aber nicht nur auf dem Platz zurück, sondern in vielen Bereichen, in denen Frauen jahrelang als benachteiligt galten und gefördert wurden.



Bildung zum Beispiel. Mittlerweile machen mehr Mädchen Abitur als Jungen. Familienministerin Kristina Schröder sagte dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, Jungs sollten künftig gezielt gefördert werden. Zum einen sollen mehr männliche Erzieher in Kitas und Schulen arbeiten. Zum anderen sollten die Inhalte überprüft werden. Sie hinterfragt, ob es überspitzt genug Diktate mit Fußballthemen gebe oder ob es nur um Ponys und Schmetterlinge gehe.




Die Politik hat sich auch eines anderen Themas angenommen, allerdings erst auf Anweisung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Anfang des Jahres 2013 verabschiedete die Regierung ein Gesetz, das künftig auch unverheirateten Männern das Sorgerecht zusprechen kann, solange es das Kindeswohl nicht gefährdet. Bislang war das mit Einspruch der Mutter nicht möglich. Aber auch bei verheirateten Paaren entscheiden sich die Gerichte im Streitfall meist für die Mutter.


Bei der Arbeitslosenquote liegen Frauen und Männer zurzeit ungefähr gleichauf. In den Jahren der Wirtschaftskrise waren Männer aber öfter ohne Arbeit. Auch die Agentur für Arbeit schreibt in ihren Berichten, dass die Arbeit der Männer stärker saison- und konjunkturabhängig ist. Das bedeutet: Geht es der Wirtschaft in Deutschland schlecht, geht es den Männern schlecht. Frauen sind allerdings durchschnittlich länger arbeitslos.

Dieser Themen haben sich Männerrechtler angenommen, die glauben, dass ihr Geschlecht benachteiligt ist – vor allem dadurch, dass Frauen nun jahrzehntelang gezielt gefördert wurden. Sie fordern, diese Nachteile gezielt zu hinterfragen, zum Beispiel bei der Lebenserwartung. Mehr Stress, unsichere Jobs, schlechtere Gesundheit, das könnten mögliche Gründe sein, sagen die Männerrechtler. Viele Forscher glauben allerdings, dass auch biologische Gründe eine Rolle spielen. Das zweite X-Chromosom könnte den Frauen zum Beispiel Vorteile verschaffen.

Andreas Kraußer ist einer von ihnen, er kommt aus Hamburg und ist Mitglied beim Verein MANNdat.

Das überraschendste Thema der Männerrechtler ist Gewalt. Männer sind häufiger Mordopfer. Die Gruppe betont aber vor allem die Wahrnehmung bei häuslicher Gewalt. Hilfsangebote und Polizei würden Frauen nur in der Opferrolle sehen. Bei einer Studie des Robert-Koch-Instituts gaben mehr Frauen an, häusliche Gewalt ausgeübt zu haben, allerdings gaben auch mehr Frauen an, Opfer geworden zu sein. Bei solchen Studien sagen Forscher, dass soziale Erwünschtheit der Antworten eine große Rolle spielt. Geben Männer nicht zu, Opfer zu werden? Oder andersrum: Geben Frauen eher zu, dass sie mal zuschlagen?





Von Frauen beschimpft, von Männern belächelt, als Internet-Pöbler verschrieen. Was treibt jemanden an, sich für die Rechte des vermeintlich starken Geschlechts einzusetzen? Begegnung mit einem Männerrechtler.