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Anders als die anderen

von Lena Bayer-Eynck

Dass etwas an ihm anders ist, wusste er schon immer. Aber warum, hat er erst sehr spät erfahren.

Jonas, der eigentlich anders heißt, ist intersexuell. Bei der Geburt war er weder männlich noch weiblich. Als Kind wurde sein Geschlecht angepasst, so dass er als Junge aufwuchs und heute als Mann wahrgenommen wird.

Menschen wie Jonas gibt es viele in Deutschland. Die Angaben, wie viele Menschen betroffen sind, schwanken stark – je nachdem, wie Intersexualität definiert wird. Der Bundesverband der Intersexuellen Menschen schätzt, dass ungefähr 100.000 Menschen in Deutschland betroffen sind.

Ab dem 1. November 2013 gibt es das dritte Geschlecht auch im Personenstandsgesetz. Eltern können es ab dann für betroffene Kinder beantragen. Bisher gibt es jedoch keine Bezeichnung dafür – der Eintrag bleibt schlicht offen. Das Kind kann sich dann später für männlich oder weiblich entscheiden oder das ganze Leben lang ohne Eintrag bleiben. Ob intersexuelle Erwachsene ihren Eintrag auch ändern lassen können, ist noch unklar. Andere Gesetze, zum Beispiel zur Eheschließung bzw. Lebenspartnerschaft, müssen in Zukunft noch an die neuen Regelungen angepasst werden.

Intersexualität ist ein Überbegriff. Darunter fallen verschiedene Erscheinungsformen, bei denen das körperliche Geschlecht nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen zuzuordnen ist. Diese Uneindeutigkeit kann die Chromosomen, Anatomie, Hormone oder Keimdrüsen betreffen. Bei manchen Betroffenen sind die Genitalien irgendwo zwischen Mann und Frau. Andere sind biologisch ein Mann, haben jedoch ein weibliches Erscheinungsbild. Vor allem in der Vergangenheit wurden viele intersexuelle Menschen operiert und/oder hormonell behandelt, um sie dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen.

Etwa 90 Prozent der intersexuell geborenen Kinder werden zu Mädchen umoperiert, meist im Säuglingsalter. „Es ist einfacher, ein Loch zu graben, als einen Baum aufzustellen“, erklärt Lucie Veith vom Bundesverband diese Praxis. Ob die Behandlungen medizinisch notwendig sind, ist umstritten. Für den Verband sind es Genitalverstümmelungen. Die Mitglieder fordern deshalb ein gesetzliches Verbot von Operationen im Kindesalter. Einige Ärzte halten jedoch an dieser Praxis fest. Der Deutsche Ethikrat fordert, dass Kinder erst in einem entscheidungsfähigen Alter operiert werden, solange die physische Gesundheit nicht beeinträchtigt ist.




Was denkt Jonas über die Zweigeschlechtlichkeit in unserer Gesellschaft? Wie kommt er mit seiner Rolle irgendwo dazwischen klar? Antworten darauf gibt dieser Magazintext: